Das Textsatz System LaTeX

By | 23. Februar 2017

LaTeX

Das Textsatzsystem \LaTeX{} lernte ich in meinem Studium Mitte der 1980er Jahre kennen. Damals gab es noch Word und Wordperfekt ohne Graphik und ohne WYSISYG und an gut formatierte Texte war nicht zu denken. Außer man verwendete TeX.

Das Programm TeX wurde von Donald E. Knuth, Professor an der Stanford University, genau mit dem Ziel entwickelt, typographisch richtige und damit ansprechende wissenschaftliche Dokumente am Computer erzeugen zu können.

Im Gegensatz zu Textverarbeitungssystemen, in denen man den zu erstellenden Text nach dem WYSISYG-Prinzip (What You See Is What You Get) am Bildschirm eintippt, funktioniert TeX ganz anders: Man schreibt den Text und fügt dabei bestimmte Formatierungsanweisungen in den Text ein. Dies gleicht schon etwas dem Schreiben eines Programmcode.

Die Erzeugung eines Dokumentes erfolgt dabei in zwei Schritten: Im ersten Schritt wird mit einem normalen Texteditor der eigentliche Text erfasst und mit Format-Anweisungen versehen. In dem anschliessenden zweiten Bearbeitungsschritt wird diese Datei – die immer die Endung *.tex erhält – von einem LaTeX-Compiler übersetzt und in das gewünschte Ausgabeformat heute meist PDF umgewandelt und dem Benutzer präsentiert.

Diese Vorgehensweise ist ohne Zweifel etwas komplizierter und für kurze Texte auch nicht unbedingt zu empfehlen, aber für größere Dokumente, bei denen es neben einer guten Typographie auch darum geht, Verzeichnisse und Indizes zu generieren von unschätzbarem Vorteil.

Hat man sich erst mal an diese Arbeitsweise gewöhnt und sich mit den am häufigsten verwendeten Formatierungs-Anweisungen vertraut gemacht, möchte man die optisch sehr ansprechenden Dokumente nicht mehr missen und ist immer öfter gerne bereit, auch für kürzere Texte \LaTeX{} zu verwenden.

Aufgrund seiner Stabilität, der freien Verfügbarkeit für viele Betriebssysteme, der ausgezeichneten Typographie und vor allem dem Formelsatz sowie seinen Features speziell für wissenschaftliche Arbeiten wird LaTeX vor allem an Universitäten und Hochschulen benutzt; insbesondere in der Mathematik und den Naturwissenschaften ist LaTeX die Standardanwendung für wissenschaftliche Arbeiten.

Ich möchte den vielen frei erhältlichen sehr guten Einführungen, die mir sehr viel geholfen haben, nicht noch eine hinzufügen, die alles was schon geschrieben wurde nochmals wiederholt. Meine Intention ist es, die für mich zentralen Aspekte zu dokumentieren, die ich mir in vielen Stunden zusammen suchen musste. So entstand im Laufe der Zeit eine Dokumentation über meine Nutzung des Textsatz-Systems. Darin sind die mir wichtigen Dinge enthalten, vieles fehlt hier, da es bereits an anderer Stelle hervorragend dokumentiert wurde.

LaTeX-Dokumente haben eine genau festgelegte Struktur und bestehen im wesentlichen aus zwei Teilen: Der Präambel und dem eigentlichen Dokumentkörper. In der Präambel werden alle für das gesamte Dokument gültigen Einstellungen getroffen sowie zusätzlich benötigte Makropakete geladen. Im Dokumentkörper steht dann der zu setzende Text, angereichert mit den notwendigen Formatbefehle.

Das Dokument und damit auch die Präambel beginnt mit der Angabe der Dokumentart (gekennzeichnet durch die verwendete Dokumentklasse) und deren Optionen:

Die Dokumentklasse legt fest, welche Art von Schriftstück erzeugt werden soll. Über die Klasse wird die Grundstruktur des Dokuments angegeben, z.B. ob ein Buch, ein Artikel oder ein CD-Cover geschrieben bzw. gesetzt werden soll. In den Klassendateien werden die hierfür jeweils nötigen Befehle und Strukturen definiert. Diese werden am Anfang eines Dokuments geladen, in ihnen wird dann festlegt, wie das jeweilige Layout gestaltet ist, welche logischen Strukturen darunter angelegt sind und der gleichen Dinge mehr. Folgende Dokumentklassen stehen standardmässig zur Verfügung:

  • article & wissenschaftliche Artikel, kurze Berichte
  • report & für Berichte, die aus mehreren Kapiteln bestehen
  • book & für Bücher \tabularnewline[8pt]
  • scrartcl & KOMA Klassen angepasst an die DIN
  • scrreprt & KOMA Klassen angepasst an die DIN
  • scrbook & KOMA Klassen angepasst an die DIN

Die Optionen stehen in den eckigen Klammern, durch Kommata getrennt, und geben an welche Schriftgröße verwendet wird, welches Papierformat zum Einsatz kommt, ob es sich um ein einspaltiges oder mehrspaltiges Layout handelt usw. Die wichtigsten Optionen sind im folgenden zusammen gestellt:


Ein minimales LaTeX-Dokument hat somit folgenden Aufbau:

Damit kann die LaTeX-Umgebung getestet werden und man bekommt ein erstes Gefühl dafür wie das Textsatzsystem grundsätzlich funktioniert. Mit einigen weiteren Erweiterungen kann man dann schon deutsche Umlaute nutzen, eine eigene Titelseite erzeugen und mit dem verfassen von Texten beginnen.

Das obige Beispiel führt dann zu einem Dokument mit folgendem Titelbild:

Hat man sich an die etwas andere Vorgehensweise gewöhnt, wartet Latex mit einer Reihe von Vorteilen auf, die man schnell nicht mehr missen möchte. \LaTeX zeichnet sich u.a. durch folgende Eigenschaften gegenüber herkömmlichen Textverarbeitungen aus:

  • Das Setzen von mathematischen Formeln ist besonders gut unterstützt.
  • Der Anwender muss nur wenige, leicht verständliche Befehle angeben, die die logische Struktur des Schriftstücks betreffen,
    und braucht sich um die gestalterischen Details (fast) nicht zu kümmern.
  • Auch anspruchsvolle Strukturen wie Fußnoten, Literaturverzeichnisse, Tabellen u. v. a. können mit wenig Aufwand erzeugt werden.
  • Routineaufgaben wie das Aktualisieren von Querverweisen oder das Erstellen des Inhaltsverzeichnisses werden automatisch erledigt.
  • Es stehen zahlreiche vordefinierte Layouts zur Verfügung.
  • LATEX-Dokumente sind zwischen verschiedenen Installationen und Rechnerplattformen austauschbar.
  • Im Gegensatz zu vielen wysiwyg-Programmen bearbeitet LaTeX auch sehr lange oder komplizierte Dokumente zuverlässig, und sein Ressourcenverbrauch (Speicher, Rechenleistung) ist vergleichsweise gering.

LaTex kann man auch innerhalb von Web-Seiten verwenden…. dafür gibt es das PlugIn QuickLaTeX.  Mit Hilfe dieses Tools können mathematische Ausdrücke im LaTex Format formuliert werden und erscheinen in der Web-Seite entsprechend gesetzt.

Damit steht eine mächtige Sprache zur Verfügung, um die vielen Vorteile eines Satzsystems auch innerhalb von Web-Seiten nutzen zu können.

Im Internet stehen unzählige Dokumente bereit, die alle Facetten des Textsatzsystems erklären. Wie immer manche besser als andere. Aber ich habe noch selten ein so gut dokumentiertes Softwaresystem kennengelernt, dessen Einsatzbereich sich kontinuierlich über den akademischen Bereich hinaus erstereckt.