Der Bau von klassischen Holzpfeilen

By | 3. Februar 2017

Für den traditionellen Bogenschützen kommen natürlich keine Hightech-Carbon Pfeile in Frage, sondern nur handgearbeitete Holzpfeile. Sämtliche dazu benötigten Materialien sind in gut sortierten Bogenshops und von speziellen Händlern zu beziehen.

Man benötigt folgende Materialien und Werkzeuge: Holzschäfte, Federn, Nocken, Spitzen. Zusätzlich ist ein Befiederungsgerät, ein Gewindeschneider und ein Spitzensetzer sowie ein Nockenspitzer erforderlich. Dann benötigt man noch Klebstoff, Farben und Lacke oder Öle sowie ein Faden für die Wicklung.

Als Schaftmaterial stehen verschiedenste Holzarten zur Verfügung. Neben Tanne, Fichte oder Esche werden vor allem Pinie und Zeder gerne verwendet. Zedernholz ist wegen seiner Eigenschaften besonders gut als Pfeilholz geeignet. Es ist leicht und robust, die Fasern sind gut miteinander durch Harz verklebt und bringen einen betörenden Geruch in die Werkstatt.

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Die einfachste und schnellste Art, an Pfeilschäfte zu kommen, ist das Bogenbaugeschäft. Dort erhält man Schäfte für Holzpfeile mit dem passenden Spine. Diese Schäfte sind aus Stämmen gesägt und maschinell gerundet.

Man unterscheidet im wesentlichen zwischen zwei Durchmessern: Für Spine-Werte bis etwa 45 verwendet man vorzugsweise den Durchmesser 5/16″ (7.9 mm) mit den dazu passenden Nocken und Spitzen. Für stärkere Spine-Werte werden Schäfte mit Durchmessern von 11/32″ (8.7 mm) oder 23/64″ (9.1 mm) verwendet.

Man legt sich am besten einen größeren Vorrat geeigneter Holz-Schäfte im gewünschten Durchmesser und passenden Spine an. Diese kann man dann zusätzlich noch auswiegen um dann 6er Gruppen in einer Gewichtsklasse zu haben.

 

Vorbereiten der Schäfte

Die Schäfte werden zuerst auf die passende Länge gebracht und anschliessend mit feinem Schleifpapier bearbeitet bis sie eine glatte Oberfläche haben. Dann müssen die Pfeile gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Dazu gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Ich starte mit einer Tiefengrundieruung und anschliessenden Lackierung. Dazu kann jeder für Holz geeignete Lack verwendet werden.

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Ob die Schäfte zusätzlich mit Farbe versehen werden ist jedem selbst überlassen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

 

Anbringen der Spitzen und der Nocken

Im nächsten Schritt werden die Spitzen angebracht. Dazu verwendet man einen Gewindeschneider, der in den Akkuschrauber gespannt wird und mit diesem schneidet am unteren Ende des Schaftes das Gewinde für die Spitzen.

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Die erhältlichen Spitzen unterscheiden sich in Material, Form und Gewicht. Wobei die Gewichtsklasse durch die Anzahl der Rillen auf der Spitze angezeigt wird. Die Abstimmung mit welchem Gewicht der Pfeil mit dem entsprechenden Bogen am besten harmoniert ist Sache des Schützen und kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Ich verwende für alle meine Pfeile Bulletpoint-Spitzen aus Messing oder Edelstahl und habe damit noch nie Probleme bei den 3D-Zielen gehabt.


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Nun müssen noch die Nocken angebracht werden. Dazu muss das Schaftende auf den Verlauf der Holzfaser untersucht werden, um die Nocken rechtwinklig zu dem Verlauf der Hauptfaser anzubringen. Dazu muss der Schaft angespitzt werden und die Nocken mit einem geeigneten Klebstoff angeklebt werden. Ich verwende dazu immer Uhu Blau. Andere Marken gehen sicher auch. Ich habe bisher damit gute Erfahrungen gemacht.

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Befiederung

Nun muss noch am Ende des Schafts die Befiederung angebracht werden. Dazu spaltet man den Kiel einer Feder mit einem Messer sauber auf und schleift ihn anschließend nochmals mit einem feinen Schleifpapier. Alternativ kauft man fertig vorberietet Federn.

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Diese gibt es in vielen unterschiedlichen Formen und Farben. Ambitionierte Pfeile-bauer kaufen sie naturbelassen und schneiden sich Ihre individuell geformten Federn aus.

Die Federn sollten im 120° Winkel an den Pfeil angeklebt werden, wobei eine der Federn im 90° zum Nockenschlitz stehen sollte, damit die Berührung der Federn mit dem Bogen möglichst gering ist.

Zum Anbringen werden gerne Befiederungsgeräte verwendet. Diese gibt es von verschiedenen Herstellern. Ein Klassiker ist das Gerät von Bitzenburger. Befiederungsgeräte ermöglichen es, die Pfeile immer an der gleichen Stelle mit der gleichen Feder oder Fahne zu befiedern. Zwar kann man die Federn auch mit der Hand nach Augenmaß oder mit Hilfe einer Schablone ankleben, das ist aber bei mehreren Pfeilen schon sehr anstrengend.

Die Feder sollte so zugeschnitten werden, dass ein Teil des Kiels auf beiden Seiten übersteht. Dieser wird dann mit einer dünnen Schnur am Schaft zur Verstärkung festgebunden. Diese Wicklung ist nicht nur für die Optik gut, sondern schützt den Handrücken des Schützen auch vor Verletzungen.

Ich verwende meistens Natur Federn der Graugans, die ich auf etwa 4″ Länge zurechtschneide und belasse aber die natürliche Form der Feder wie sie ist. Das Ergebnis sieht dann beispielsweise so aus:

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