Faszination SL

By | 28. Januar 2017

Faszination SL

Die Faszination des SL zu beschreiben ist keine einfache Aufgabe. Vor allem, da rational betrachtet nicht viel für so ein Auto spricht: Es hat nur zwei Sitze, ist nicht sonderlich bequem, hat insgesamt nur wenig Platz und ist zu allem auch noch nicht gerade preiswert.

Trotz alledem gibt es wenig Schöneres auf dieser Welt als nach einem langen Arbeitstag auf dieses Auto zu zugehen. Mit jedem Schritt den man näher kommt, schlägt das Herz einen Schlag schneller. Schon aus der Distanz leuchtet das Iridiumsilber aus den anderen Farben auf dem Parkplatz heraus.

Dann ein Griff in die Hosentasche und nach einem kurzen Druck auf den Schlüssel hört man die Verriegelung klacken und die Begrüßungsleuchten weisen die letzten Meter zum Wagen. Da steht er. Silbern leuchten die zeitlos schönen Konturen des Roadsters. Nicht protzig aber bedeutsam. Keine auffälligen Spoiler oder Verbreiterungen verunstalten die eleganten Linien und  nur das dezente „V8“ Emblem neben dem Kotflügel deutet dem Kenner an, was in dem Wagen steckt.

Noch ein Schritt und man steht vor der Autotür. Die schwere Tür zu öffnen, einzusteigen, das Leder zu fühlen und mit einem Lächeln die farblich abgesetzten Ziernähte die das Armaturenbrett umranden zu betrachten und schließlich den Blick nach vorne zu richten, wo der Tachometer ins Blickfeld kommt auf dem die Geschwindigkeit nur in 30er Schritten angezeigt wird, lässt das Herz noch etwas schneller schlagen.

Der Tag war lang und anstrengend, jetzt den Schlüssel ins Schloss zu stecken und nach einer kurzen Drehung zu hören, wie der Motor anspringt, dann nur noch einen Moment Geduld, um den Schalter unter der Armauflage nach Oben zu ziehen und mit zu erleben, wie sich das Dach wie von Geisterhand in den Kofferraum faltet,  ist reine Faszination, Emotion pur. Rational nicht zu erklären!

Bevor der SL sich dann in Bewegung setzt, hält man noch kurz inne, um den einmaligen Sound des V8-Motors zu genießen. Es ist kein lautes Dröhnen wie beim Porsche oder kein Jaulen wie beim Ferrari, der SL blubbert in einem sonoren V8 Sound vor sich hin. Gediegen, unaufgeregt, selbstbewusst.

Doch wenn man dann auf das Gaspedal drückt, wird aus dem Blubbern ein Grollen und die 700 Nm des Triebwerks das in Affalterbach gebaut wurde, vollbringen ihren Bestimmungszweck: Vortrieb !

Wenn dann der Kompressor hinzukommt, wird aus dem Grollen ein Fauchen und spätestens jetzt braucht man kein Radio mehr. Jetzt muss man einfach nur dem Orchester aus 8 Zylindern, fünf Liter Hubraum, einem Kompressor und vier Endrohren lauschen und genießen.

Der Alltag entschwindet, es ist als hätte man eine andere Dimension des Seins betreten. Der Realität für kurze Zeit entrückt. Der SL gleitet über die Strassen, man fühlt den Wind und erfährt die Jahreszeiten im wahrsten Sinne des Wortes.

Pure Emotion, rational nicht zu erklären, nur zu erfahren!

Peter Hofmann, 2007